Baltrum – Urlaub ohne Auto und Fahrrad
Als kleinste der sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln bietet Baltrum den Reiz eines zu verbringenden nicht ganz allgemein üblichen Urlaubs. Nicht nur, dass auf der nur etwa fünf Kilometer langen und einen reichlichen Kilometer breiten Insel weder Autos zugelassen noch Fahrräder erwünscht sind, der hier weilende Urlauber wird auch den von sonstigen Urlaubsregionen oft bekannten touristischen Trubel, die Flaniermeilen, erlesene Shoppingmöglichkeiten und ein überschäumendes Nachtleben vermissen.
Nicht umsonst ist Baltrum aus diesem Grund als „Dornröschen der Nordsee“ bekannt aber auch beliebt, ist die Insel doch mit ihren zwei kleinen Siedlungen, den weiten und weißen – oft einsamen und stillen Sandstränden, einer schönen Dünenlandschaft und dem sie umgebenden Wattenmeer irgendwie ein Stück Natur pur und dazu ein staatlich anerkanntes Nordseeheilbad.
Baltrum weist infolge einer starken Landverschiebung in den zurückliegenden Jahrhunderten eine unübliche geschichtliche Entwicklung auf. Die Tatsache, dass im Verlauf der letzten, etwa 350 Jahre das Westende der Insel um 4,5 Kilometer nach Osten gewandert ist und ihr Ostteil sich nur um 1,4 Kilometer nach Osten verschob, hat einerseits zu einer wesentlichen Verkleinerung der Festlandfläche und zur mehrfachen Aufgabe bestehender Siedlungen im Westteil der Insel geführt. Hinzu kam, dass eine Sturmflut im Jahr 1825 die Insel förmlich in mehrere Teile spaltete.
Gegen diese Erscheinungen wurden in der Folgezeit Buhnen eingebracht, Deiche errichtet und massive Deckwerke geschaffen.
Ein um die vorletzte Jahrhundertwende einsetzender spärlicher Tourismus benötigte runde 30 Jahre, ehe er für Baltrum eine größere Bedeutung erlangte. Danach nahm die Zahl der die Insel besuchenden Gäste, mit Ausnahme der Kriegsjahre ständig zu. Das gesunde gemäßigte Seeklima, die relativ geringen Temperaturschwankungen und eine hohe Sonnenscheindauer unterstützten diese Tendenz ebenso wie die wunderschönen weiten Sandstrände und die Eigenheiten des Wattenmeers.
Klein aber fein – Baltrums Sehenswürdigkeiten
Die in den beiden, im Westteil der Insel befindlichen Siedlungen West- und Ostdorf lebenden etwa 550 Einwohner und ihre inzwischen doch recht zahlreichen Urlaubs- und Kurgäste begnügen sich mit kleineren aber recht interessanten Sehenswürdigkeiten. Als Wahrzeichen Baltrums gilt die Inselglocke, einst Glocke eines gestrandeten holländischen Segelschiffes, die zu Abendandachten und Hochzeiten ruft und die sich neben der 1826 erbauten Alten Inselkirche, einem der ältesten Gebäude auf Baltrum, befindet. Da sie über nur 50 Plätze verfügt, wurde um 1930 eine größere Inselkirche errichtet, die nach mehreren Erweiterungsbauten heute etwa 300 Personen Platz bietet.
Als dritte Kirche kam 1957 die katholische Kirche St. Nikolaus hinzu, die aus einer Sommerkirche, einem mit Reet überdachten Vorhof und der geschlossenen Winterkirche besteht.
2007 eröffnete das Heimatmuseum seine Ausstellungen, die sowohl heimatkundliche als auch naturkundliche Aspekte beleuchten. In dem unter Denkmalschutz stehenden Ostfriesischen Doppelhaus werden die Besucher bei Hörführungen mit der Geschichte der Insel, ihrer Bewohner und den Besonderheiten ihrer Heimat vertraut gemacht. Ooftmals wechselnde Sonderausstellungen vervollständigen das Angebot des Inselmuseums.
Eine historisch wertvolle Sehenswürdigkeit stellt ein als Pfahlschutzwerk gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteter Wellenbrecher dar. Mit einer Länge von rund 300 Metern ist er das letzte Teilstück einer einstigen, den gesamten Westbereich der Insel umgebenden Schutzanlage aus Pfählen und Kanthölzern.
Ehrenamtlich gepflegt wird ein kleiner, sich zwischen den zwei Dörfern befindlicher Rosengarten.
Schließlich wäre auch der Baltrumer Gezeitenlehrpfad, der beim Hafen beginnt, die Küstenschutzanlagen berührt, über mehrere Dünen führt und vorüber an den Hellerwiesen wieder im Westteil am Nationalpark-Haus endet, als eine „begehbare Sehenswürdigkeit“ einzustufen. Dies um so mehr, als der Weg auch ein Gezeitenmodell, einen Wind-Sand-Modul, einen Wellen- und einen Wassermodul berührt. Zahlreiche Informationstafeln und einige interaktive Stationen entlang dieses Pfades machen seine Passanten mit aufschlussreichen Details aus der Vergangenheit und Gegenwart Baltrums bekannt.
Tourismus und Verkehr
Wie bereits erwähnt, verkehren außer Feuerwehr, Krankentransport und wenigen Arbeitsfahrzeugen auf der Insel keine weiteren Autos. Bei den geringen Entfernungen wirkt sich dies aber keinesfalls als störend aus. Denn wer in einem Hotel, einer Ferienwohnung oder Pension im Westdorf wohnt, der kann bei einem kurzen Spaziergang durch ein kleines Wäldchen, vorbei am Badestrand das Ostdorf erreichen.
Die notwendigen Versorgungstransporte von der Fähre in die Ortschaften werden von Pferdewagen durchgeführt und Kutschen übernehmen die Funktion von fehlenden Taxis.
Das Westdorf mit seinen aus roten Klinkern bestehenden Häusern kann mit dem Rathaus, den Restaurants und Cafés, einigen Geschäften, der Kurverwaltung, dem SindBad sowie einigen Sporteinrichtungen als eine Art „Inselhauptort“ betrachtet werden.
Dagegen bietet das zwischen Deich und Dünen liegende Ostdorf mehr Ruhe, blumenreiche Gärten, die teilweise liebevoll restaurierten ältesten Häuser der Insel und mit seiner unmittelbaren Nähe zum Wattenmeer der Nordsee ein besonders reizvolles Ambiente.
Straßennamen kennen beide Inseldörfer nicht, für die Kennzeichnung ihrer Gebäude reichen ungeordnet vergebene einmalige Hausnummern.
In der Saison halten sich durchschnittlich ständig 3.000 Gäste auf Baltrum auf. Viele von ihnen nutzen dabei das Kurzentrum mit mit der modernen Bade- und Saunalandschaft des Kur- und Wellness-Centers „SindBad“. Rund 100 der Gäste halten sich in der im Ostbereich der Insel befindlichen Jugendbildungsstätte auf, die gleichzeitig über den einzigen kleine Zelt- und Campingplatz der Insel verfügt.
Die kürzeste Verbindung zum Festland besteht bei Flut per Fähre von kleinen Baltrumer Hafen nach Neßmersiel. Von und nach dort wird der Frachtverkehr abgewickelt, bei dem auch das Gepäck der Urlauber transportiert wird.
Bei Ebbe lässt sich dieser Weg sogar zu Fuß durch das Watt in etwa zweieinhalb Stunden bewältigen.
Für kleine Flugzeuge steht außerdem das Flugfeld Baltrum zur Verfügung.
Strand und Wattenmeer
Der kilometerlange weiße Sandstrand auf Baltrum wird von den Urlaubern überwiegend im westlichen Inselbereich genutzt. Hier befinden sich auch der bewachte Badestrand mit der Strandkorbvermietung, die Surf- und Kiteschule, ein Drachenstrand, der Kajakverleih und selbst ein Hundestrand. Der feinkörnige Sandstrand ist dabei durch eine Dünenwand vom inneren Bereich der Insel getrennt und je nach Stand der Flut und Wellengang sowohl für Schwimmanfänger und Kinder als auch für Schwimmer einschließlich der Wassersportler geeignet. Selbstverständlich wird dieser Strandbereich von Mitarbeitern der DLRG bewacht.
Von der als Promenade neu gestalteten Strandmauer aus, die das Westdorf bogenförmig umschließt, ergibt sich ein wunderschöner Ausblick auf die Nordsee und die Schutzeinrichtungen vor der Westküste bis hin zur benachbarten Insel Norderney. Eine Aussichtsplattform auf der Düne am Kap gestattet eine schönen Blick über das Inselinnere.
Am Strand des Ostteils der Insel sind selbst während der Saison ein einsames Sonnenbad oder ein ausgedehnter einsamer Spaziergang jederzeit möglich. Hier lassen sich Sand und Wasser unter den Füßen, die Sonne auf der Haut und der Wind um die Ohren in Ruhe erleben und fühlen.
Zumindest ein Hinweis soll dem Erlebnis Strand im Winter gelten. Egal ob sich die Eisschollen an den Strand schieben oder eine steife Brise bei Flut für Schaumkämme, Bernsteinsplitter und angespülte Muscheln sorgt, das Erlebnis der Winterlandschaft auf Baltrum sorgt auch der kalten Jahreszeit für einen erholsamen und erlebnisreichen Aufenthalt an glasklarer frischer Luft an einsamen Stränden.
Jedoch gleich, ob der Aufenthalt in einem Hotel oder einer Ferienwohnung im Sommer oder Winter erfolgt, der zum UNESCO Welterbe gehörende Nationalpark mit dem Niedersächsischen Wattenmeer bietet sich zu jeder Jahreszeit zu einer ausgiebigen Erkundung an. In dem Gebiet, wo das Vermischen des aus den Flüssen herbeigeführten Süßwassers mit dem salzigen Wasser der Nordsee erfolgt, gibt es nicht nur Sand, Schlick und Priele. Hier haben die Gezeiten und der Wind einen Lebensraum geschaffen, in dem sich Pflanzen und Tiere angesiedelt haben, die oft nicht auf den ersten Blick zu finden sind. Immerhin sollen hier an die 10.000 Pflanzen- und Tierarten heimisch sein, von denen der Wattwurm wohl einer ihrer bekanntesten Vertreter ist.
Eine ganz besondere Attraktion versprechen darüber hinaus die jährlich im Wattenmeer eine Rast einlegenden zahlreichen Zugvögel.
Sport, Spiel und Veranstaltungen
Die beliebtesten Sportarten im, auf und über dem Wasser wurden bereits erwähnt. Damit hat sich jedoch das Angebot der auf Baltrum angebotenen Sportmöglichkeiten bei weitem nicht erschöpft. Neben den nahezu täglich von der Kurverwaltung angebotenen Sportübungen am Strand werden Beachvolleyball und -faustball ebenso groß geschrieben wie Nordic Walking, Reiten, Tennis, Kegeln oder Cobigolf. Und auch im Fitness-Studio oder bei einer der stattfindenden Laufveranstaltungen lässt sich etwas für die Körperertüchtigung tun.
Nicht weniger abwechslungsreich stellt sich das kulturelle Leben dar. Feten am Strand, Hafen- und Flugplatzfest, Dorf- und Strandpromenadenfeste, kleinere Konzerte der Baltrumer Gitarrengruppe oder des Shanty-Chors und Aufführungen der Inselbühne sorgen für Frohsinn und Unterhaltung.
Geführte Ausflüge und Wattwanderungen gehören ebenso zu dem umfangreichen Angebot wie Rundflüge über die Insel. Vorträge und Lesungen finden im Nationalparkhaus und anderswo statt und Wellness- und Yoga-Angebote sind in einigen der Hotels auf der Insel jederzeit nutzbar.
Natürlich kommen bei all dem die Kinder nicht zu kurz. So werden für sie spezielle Kinder-Wattwanderungen angeboten, Schwimm- und Surfkurse für Kinder durchgeführt und wird zum Kinderturnen am Strand eingeladen. Wenn das Wetter oder ihre Lust es einmal nicht erlauben, sich am Strand oder im Wasser aufzuhalten und sich dort zu betätigen, sorgen das Kinderspielhaus und weitere Spielplätze sowie ein Puppen- und Kindertheater für entsprechend kindgerechte Beschäftigungsmöglichkeiten und für ihre Unterhaltung.
Wer während seines Urlaubs auf der Nordseeinsel Baltrum noch deren nähere Umgebung kennenlernen möchte, der kann mit den Schiffen der Reederei Baltrum-Linie einen Abstecher auf die Nachbarinseln Norderney und Langeoog unternehmen und dabei vielleicht auch an den Seehundbänken vor Norderney vorüber fahren.
Außerdem besteht die Möglichkeit eine kleine Wattsafari zu starten oder an einem Schaufischen auf der Nordsee teilzunehmen.